Hoffnung auf Gerechtigkeit – Gedenkveranstaltung am 29.8.2026 in der Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Wandsbek

[Stefanie Krüger, 22.09.2026]

Es ist Spätsommer, auch an diesem Gedenktag, als etwa 60 Menschen zusammen den verschleppten Frauen aus Slowenien gedenken. Hier im ehemaligen KZ-Außenlager Wandsbek mussten mehr als 500 gefangene Frauen unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Stellvertretend erinnern wir uns heute, am 29.8.2026, an Mihaela Kovacic (genannt Elica), an Nada Verbic und Helene Igerc. 

Ein Enkel erzählt: das Leben der Mihaela Kovacic

Matjaz Preskar spricht bei der Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Wandsbek über seine Großmutter, Mihaela Kovacic, die im KZ-Außenlager Wandsbek inhaftiert war, 29.8.2026, Foto: Detlef Garbe.
Matjaz Preskar spricht bei der Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Wandsbek über seine Großmutter, Mihaela Kovacic, die im KZ-Außenlager Wandsbek inhaftiert war, 29.8.2026, Foto: Detlef Garbe.

Eindrucksvoll ist der Lebensbericht über Mihaela Kovacic, vorgetragen von Matjaz Preskar, ihrem Enkel. Er besuchte erstmals in diesem Sommer die Gedenkstätte Neuengamme und berichtete dort über seine Großmutter. Ein gar nicht so kleines Wunder, wenn nach 80 Jahren ein Nachfahre der Enkelgeneration die Geschichte seiner Großmutter in bewegenden Worten lebendig werden lässt! Ein kleines, graues Notizbuch ist seit kurzem erst in seinem Besitz. In dieses kleine Büchlein trug Mihaela Kovacic Gedichte und herzliche Gedanken der anderen gefangenen Frauen ein, teilweise mit Namen und Adresse, z.B. von Nada Verbic. Mihaela Kovacic engagierte sich schon mit 17 Jahren als Partisanenkurierin und wurde von ihrer Arbeitgeberin verraten. Im KZ-Außenlager Wandsbek musste sie wie die anderen Frauen für die Gasmaskenproduktion arbeiten und berichtete später von den Sabotageakten, bei denen sie die Masken mit einer Nadel zerstörte. Nach der Befreiung aus dem KZ konnte Mihaela Kovacic endlich an ihrem 19. Geburtstag nach Hause zurückkehren.

Widerstand und Verfolgung: der historische Hintergrund

Der slowenische Generalkonsul erinnert an den Mut der inhaftierten Frauen, auch innerhalb des KZ, Widerstand zu leisten, sich gegenseitig zu unterstützen und so zu versuchen, sich gegenseitig am Leben zu halten. Autor Stefan Romey erforscht seit den 1980er Jahren die Geschichte des KZ-Außenlagers in Wandsbek. Er erinnerte in seinem Beitrag an die wechselvolle Geschichte Sloweniens. So wurde die slowenische Bevölkerung sowohl im ehemaligen Königreich Jugoslawien als auch im österreichischen Kärnten verfolgt. Die Nationalsozialisten wollten die slowenische Sprache und Kultur zerstören. 1944 verstärkte sich dort der nazistische Terror und viele Frauen wurden gefangen genommen und zuerst ins Konzentrationslager Ravensbrück gebracht, bevor sie ins KZ Neuengamme und von dort ins Außenlager nach Wandsbek kamen mit dem Hinweis „Rückkehr unerwünscht“!

Zwei Perspektiven auf dieselbe Zeit

Menschen bei der Gedenkveranstaltung am 29.8.2026 an der Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Wandsbek, Foto: Detlef Garbe.
Gedenkveranstaltung am 29.8.2026 an der Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Wandsbek, Foto: Detlef Garbe.

Sehr spontan und ungeplant ergab es sich, dass der 90-jährige Klaus Bohlken im Anschluss seinen sehr persönlichen Eindruck aus der damaligen Zeit schilderte. Auch er ist ein Zeitzeuge, der als kleiner Junge in der direkten Nachbarschaft des KZ-Außenlagers in Wandsbek lebte. Er berichtete, wie er aus der Wohnung die elektrisch geladenen Doppelzäune des Lagers sehen konnte. Man kann es Zufall nennen, dass bei der Gedenkveranstaltung ein Zeitzeuge und ein Enkel, der das Erlebte seiner Großmutter weiterträgt, zu Gast waren, die nach über 80 Jahren aus einer sehr persönlichen Sicht auf das Geschehene blicken. Weniger zufällig ist es, wie unterschiedlich diese Berichte ausfallen. Die Sicht von außen aus der scheinbaren Normalität des Lebens im Nationalsozialismus war so ganz eine andere als die eines Enkels, der von seiner Großmutter über die menschenverachtenden Haftbedingungen und Menschenversuche im Zuge der Gasmaskenproduktion erfuhr.

Gedichte, die überlebt haben

Als großes Glück für uns Nachgeborene können die Gedichte und Gedanken der inhaftierten slowenischen Frauen heute noch zu Gehör gebracht werden, da Mihaela Kovacic ihr kleines Notizbuch direkt am Körper versteckte und so durch die Gefangenschaft retten konnte. Zu diesen Überlieferungen gehören die Gedichte der beiden damals inhaftierten slowenischen Frauen Nada Verbic und Helene Igerc, die von zwei jungen Gemeindemitgliedern der evangelischen Kirche in Wandsbek vorgetragen wurden. Auch Nada Verbic und Helene Igerc beteiligten sich unter Lebensgefahr an Sabotageakten.

Warum Erinnern heute zählt

Wie aktuell die Bedeutung des Gedenktages für unsere jetzige politische Situation in Deutschland ist, zeigen die Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern mit dem viel zu hohen Wahlergebnis für die AfD. Wir müssen laut bleiben für Frieden und Gerechtigkeit, gegen Faschismus und Rassismus in allen ihren Formen. Damit nie wieder geschieht, was damals geschah.

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