[Barbara Hartje, 12.10.2026]
Ein Kinder- und Jugendbuch über die NS-Verfolgung einer Hamburger Familie, das zugleich nach Zivilcourage im Hier und Jetzt fragt: Stefanie Taschinski stellte „Die Mutsammlerin” im Geschichtsort Stadthaus vor.

Bis auf den letzten Platz war der Geschichtsort Stadthaus besetzt, als die bekannte Hamburger Kinder- und Jugendbuchautorin Stefanie Taschinski ihr im August erschienenes Buch vorstellte. Offensichtlich stieß die Ankündigung zu dieser Veranstaltung am 7. September auf großes Interesse; man wollte erfahren, wie es gelingen kann, die Verbrechen des Nationalsozialismus in einem Buch für so junge Leser:innen zu thematisieren. Stefanie Taschinski hat sich dieser schwierigen Aufgabe gestellt und eine überzeugende Lösung für ihre einerseits eindringliche und berührende andererseits aber auch informative Erzählung gefunden.
Eine Geschichte in zwei Zeiten
Die Geschichte beginnt in der Gegenwart, berichtet von der zwölfjährigen Emmi, die die Schulferien bei ihren Großeltern verbringt und miterlebt, wie zwei etwas ältere Jungen ein Geschwisterpaar aus einer Sinti Familie auf aggressivste Weise beschimpfen und verfolgen. Emmi sieht dieses Unrecht, will immer wieder eingreifen, aber sie traut sich nicht.Sie findet auf dem Dachboden ihrer Großeltern zufällig ein Tagebuch aus der Zeit von 1904-1945, geschrieben von Elsa, der Großmutter ihres Großvaters. Schritt für Schritt vertieft sich Emmi in die Aufzeichnungen von Elsa, ihrer Ur-Urgroßmutter, und erfährt, wie diese Frau trotz schwerster NS-Verbrechen an ihrem Mann und ihren beiden Söhnen den Mut zum Weiterleben nicht verliert, ja beherzt und widerständig den Vertretern des NS-Regimes entgegentritt. Sie wird zum Vorbild für Emmi.
Erfunden und doch wahr
Elsas Tagebuch hat es nie gegeben, aber was es beschreibt, ist wirklich passiert. Es ist die NS -Verfolgungsgeschichte der Familie Esser aus Hamburg. Vielen aus dem Freundeskreis, aber auch darüber hinaus, ist diese Geschichte inzwischen bekannt, denn unser Vorstandsmitglied Bernhard Esser berichtet seit Jahren als Zeitzeuge auf vielen Veranstaltungen über seine Familiengeschichte. Er und Stefanie Taschinski, auch Mitglied im Freundeskreis, kennen sich seit langem. Bernis Familienchronik und die vielen intensiven Gespräche zwischen beiden waren die Grundlage für das Buch „Die Mutsammlerin“. Davon berichteten sie auch auf der Veranstaltung im Geschichtsort Stadthaus.
Ausgezeichnet und für die Schule geeignet

Das Buch wendet sich an junge Leser:innen ab 10 Jahren und eignet sich überdies hervorragend als Schullektüre. Es wurde bereits zweifach von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet: auf der Empfehlungsliste im September zum Thema Demokratie und als Hörbuch des Monats Oktober 2026. Das Buch ist spannend geschrieben, fast bis zum Ende findet Emmi nicht den Mut, einzugreifen und sich schützend vor die beiden Geschwister aus der Sinti-Familie zu stellen.
Letztendlich aber lernt sie von ihrer Ururgroßmutter Elsa: Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben – sondern trotzdem zu handeln.
Informationen zum Buch
Stefanie und Berni haben „Die Mutsammlerin“ kürzlich mit großem Erfolg auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. So wollen sie es jetzt auch in Schulklassen machen.
Die erste Auflage ist bereits vergriffen. Die zweite Auflage ist gedruckt.
Weitere Informationen zum Buch beim Verlag sind hier verlinkt.
