[Text: Stefanie Krüger]
Ein Ort mitten in Wandsbek an der Ahrensburger Straße, im Sonnenschein an einem Spätsommernachmittag im August. Viele festlich gekleidete Menschen erscheinen und gedenken heute an den beiden Gedenkstätten des ehemaligen KZ-Außenlagers Wandsbek besonders den hier ermordeten Mitgliedern der Zeugen Jehovas. Zu den Gästen der Gedenkveranstaltung gehören Gemeindemitglieder aus allen Gemeinden der Zeugen Jehovas in Hamburg. Mitglieder des Freundeskreis der KZ Gedenkstätte Neuengamme, Politiker*innen aus der Bezirksversammlung in Wandsbek, andere Interessierte und nicht zuletzt zwei Polizistinnen, die für Sicherheit sorgten, komplettierten die Besuchermenge. Wunderschönes Oboen Spiel leitete die Gedenkveranstaltung ein und bot zwischendrin sowie am Ende die Gelegenheit, innezuhalten.
Unter den zahlreichen Rednern, die auftreten, sind auch Barbara Hartje und Stefan Romey vom Freundeskreis. Im Folgenden fasse ich das Gesagte zusammen und ergänze aus Stefan Romeys Buch „Ein KZ in Wandsbek“.

Gedenkstätte am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Drägerwerk in Hamburg-Tonndorf. (Foto: wikimedia, Lizenz: CC BY 3.0)
Stefan Romey, der die Geschichte des KZ-Wandsbek auf dem damaligen Gelände der Drägerwerke erforscht, legt in diesem Jahr seinen Schwerpunkt auf die Gruppe der Zeugen Jehovas, da diese Verfolgtengruppe lange Zeit gar nicht im öffentlichen Bewusstsein war. Die Frauen, die unter anderem aus dem KZ Ravensbrück nach Wandsbek kamen, mussten unter unmenschlichen Bedingungen im Drägerwerk Zwangsarbeit leisten und wurden unter der Ägide des Unterscharführers Johannes Steenbock sadistisch gequält und teils ermordet. Hierbei traf es vor allem auch Frauen aus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas.
Warum wurde diese Glaubensgemeinschaft überhaupt verfolgt? Die Grundsätze der Zeugen Jehovas, den Hitlerkult abzulehnen, zu missionieren, sich im Widerstand zu engagieren und den Kriegsdienst zu verweigern sowie die jüdischen Menschen zu unterstützen, waren ausschlaggebend für die Verfolgung und Inhaftierung ihrer Mitglieder. Ausgehend von damals etwa 20.000 aktiven Mitgliedern in Deutschland wurde etwa 11.300 deutsche und ausländische Gläubige inhaftiert. Etwa 3000 Zeugen Jehovas kamen in die Konzentrationslager.
An diesem Gedenktag soll einer Zeugin Jehovas stellvertretend für viele gedacht werden. Es geht um Maria, die mit den anderen Häftlingen in der Fertigung von Gasmasken für die Wehrmacht bei den Dräger Werken zur Arbeit gezwungen wurde. Sie leistete Widerstand und wurde nach Aussagen überlebender Mithäftlinge daraufhin schlimmsten Misshandlungen ausgesetzt. Maria gelang daraufhin die Flucht in das Sumpfgebiet hinter dem Gelände des KZs. Ein Bauhandwerker hatte den Aufsehern von Marias Flucht berichtet und sie wurde von den Suchtrupps gefunden und wieder festgenommen. Unter brutalsten Misshandlungen vom Unterscharführer Steenbock, wurde Maria dann ins KZ zurückgezerrt und dort schließlich erschossen.
Die Gedenkveranstaltung blickt auch auf die Geschichten anderer inhaftierter und ermordeter Frauen der Zeugen Jehovas, über deren Schicksal aus Briefen und Berichten Überlebender vorgelesen wird.
Nach dem Krieg wurde im sogenannten Curiohaus-Prozess gegen Unterscharführer Johannes Steenbock von einer Anwohnerin neben dem KZ-Gelände von Misshandlungen an Häftlingen berichtet. Es fand vor aller Augen statt. Nur 5 % aller KZ-Aufseher*innen wurden damals in Deutschland vor Gericht angeklagt.
Wir sind aktuell aufgefordert, uns für Frieden und die Gleichwertigkeit aller Menschen, Religionen und Hautfarben einzusetzen und unsere Stimme gegen den wiedererstarkenden Antisemitismus und Fremdenhass zu erheben. Die diesjährige Gedenkveranstaltung am ehemaligen KZ-Außenlager Wandsbek mahnt uns, nicht leise zu sein.
