Ehemaliger Standortschießplatz Höltigbaum

Standortschießplatz Höltigbaum – Natur umschließt und lässt vergessen

(um weiterzublättern, klicken Sie bitte unten links in dem PDF. Sie können die Datei auch hier herunterladen.)

Klier-H.-J.-Standortschiessplatz-Hoeltigbaum

________________________________

Ehemaliger Schießplatz Höltigbaum – ein wenig beachteter Ort am Rande der Stadt

In Rahlstedt nahe der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein am Straßeneck Sieker Landestraße/Neuer Höltigbaum befindet sich ein „Tafelplatz“, der an die Opfer der Unrechtsjustiz der nationalsozialistischen Militärgerichtsbarkeit erinnert. Hamburg war im 2. Weltkrieg mit 11 Kriegsgerichten einer der zentralen Orte der Wehrmachtsjustiz. Die meisten Todesurteile wurden auf dem damaligen Schießplatz Höltigbaum – wo sich heute das Gewerbegebiet Neuer Höltigbaum befindet – vollstreckt. Nahezu 160 Vollstreckungen sind namentlich nachgewiesen. Vermutet wird eine Gesamtzahl von über 300; zumeist einfache Soldaten, die des Krieges überdrüssig waren, sich Befehlen widersetzten oder Fahnenflucht begingen. Bis 1943 war zunächst die Exekutionen einzelner Soldaten die Regel. Je näher das Kriegsende aber rückte, desto mehr ging die Wehrmacht dazu über, auch mehrere Verurteilte in kurzer Folge nacheinander an einzelnen Tagen zu erschießen. Die letzte Erschießung erfolgte fünf Tage vor dem Eintreffen der britischen Truppen in Hamburg.
Viele Jahre vergingen, bis nach zähem Ringen und politischer Auseinandersetzungen an die dortigen Opfer der Militärjustiz mit der Einrichtung des dortigen Tafelplatzes im Jahre 2003 erinnert wurde. Heute, 20 Jahre später, ist dieser Platz im dichten „Grün“ kaum noch wahrzunehmen. Auch die im Jahre 2015 – etwas abseits am Straßenrand Neuer Höltigbaum aufgestellte Dokumentations-Stele – hat hier den Blick darauf nicht verstärken können.
Das soll sich nun verbessern. Die Bezirksversammlung hatte kürzlich für die Umgestaltung des Gedenkortes 20.000 € bewilligt. Es gibt ein vor Ort und mit Vertretern des Runden Tisches Wandsbek sowie dem Bündnis für ein Hamburger Deserteursdenkmal abgestimmtes Konzept für die Realisierung, das den Gedenkplatz möglichst bis zum September 2023 – dann 20 Jahre nach der ersten Herstellung – in neuem Licht für Jedermann sichtbar machen soll.

Hans-Joachim Klier

Anmerkung: 5 Stolpersteine erinnern dort an ermordete Soldaten; die recherchierten Biografien zweier Soldatenschicksale stehen exemplarisch für viele einfache Soldaten, denen die Militärjustiz das Leben genommen hat. Mehr Informationen